Reisebericht
Winterdampf in China – ein kleiner Reisebericht zu unserer Gruppenreise über Silvester 2009/2010
Die Veränderungen in China spürt man an allen Ecken und Enden. Aber kein anderes Land bietet gleichzeitig so viele Kontraste. Da sind die pulsierenden Städte, wo neue Wohnsiedlungen wie Pilze aus dem Boden schießen, neue Straßen und Autobahnen gebaut werden und neue Hochgeschwindigkeitsstrecken das Land erschließen.
Auf der anderen Seite gibt es aber noch das China, wie man es über Jahre hinweg kennt, ländliche Strukturen, Umwelt belastende Kohlenreviere, Staub, Dunst und ... Dampflokomotiven! Nicht als Denkmal oder Museumsbahnen, sondern als „Alltagstiere“, schwer arbeitend, Tag und Nacht im Einsatz.
Jede Reise dorthin hin, ist wie eine Reise in eine andere Welt. Bei uns in Deutschland sind die Zeiten des planmäßigen Dampfbetriebes schon lange vorbei und außer bei Sonderzugfahrten oder nachgestellten Plandampfaktionen ist der Dampfbetrieb nicht mehr zu erleben.
China ist das einzige Land, wo es nach planmäßigen Dampfbetrieb gibt. Wie lange noch kann niemand sagen. Betriebe werden eingestellt, andere werden erweitert und immer geht auch eine Veränderung im Dampfbetrieb mit einher. Insgesamt gibt es aber noch weit über 100 Dampflokomotiven, die tagtäglich ihren Dienst in China versehen.
Wer das alles noch nicht erlebet hat, der sollte sich sputen. Unsere letzte Gruppenreise nach China hatte auch wieder einige Überraschungen parat, aber auch ein paar Enttäuschungen: die angedachte Plandampfveranstaltung über den legendären Jingpeng-Pass entpuppte sich als ein dampfgeführter Mini-Güterzug, der völlig unkoordiniert über den Jingpeng-Pass sprichwörtlich raste. Aber immerhin waren die Dampfloks nicht mehr bunt bemalt. Man bemüht sich – man muss aber noch viel lernen. Die Provinzregierung sieht das touristische Potential der Dampffahrten, die JiTong-Bahn selbst sieht nur den Aufwand.
Trotzdem wurden Erinnerungen wach, an die letzte große dampfbetriebene Hauptbahn der Welt. Und bei der nächsten Veranstaltung werden wir wieder hinfahren.
Nach dem Ausflug zum Jingpeng-Pass ging es zu verschiedenen Kohlebahnen:
Pingzhuang hat noch mindestens 6 SY im Einsatz. An der Kohlwäscherei gibt es noch viel Dampfbetrieb. Der Tagebau wurde schon auf LKW umgestellt und die E-Loks aus Hennigsdorf fahren etwas verloren durch die Gegend. Fast könnte man meinen, sie verstecken sich hinter dem noch aktiven Dampfbetrieb. So lange die Mine noch abgebaut wird, bleibt der Dampfbetrieb erhalten. Also weiterhin ein Ziel das man anfahren kann.
In Fuxin sucht man die alte Atmosphäre vergebens. Die Hutongs sind weggerissen und mitten zwischen neuen Wohnblöcken befindet sich das Dampf-Depot. Und tatsächlich gehen dort täglich noch mindestens 5 SY ihrer Arbeit nach. Und – man glaubt es kaum – eine JS wird derzeit in der eigenen Werkstatt untersucht und soll demnächst wieder zum Einsatz kommen.
Auch in Fuxin nimmt der Verkehr rund um den Kohle-Tagebau ab und die einst größte offene Kohlemine Asiens wird langsam verfüllt. So haben die Dampfloks aber immer noch eine Aufgabe: schwere Abraumzüge.
Im Kohlebahn-System von Tiefa halten sich wacker die dampfbespannten Personenzüge auf mindestens 2 Strecken. Dafür stehen 4 betriebsfähige Dampfloks zur Verfügung. So lange dort die Chefs ein Faible für den Dampfbetrieb haben, wird es dort sicherlich weiterdampfen. Immerhin leistet man sich auch ein großes Dampflokmuseum im Depot und darin sind auch zwei Dampfloks, die für bestellte Sonderzüge vorgehalten werden.
Auf unserer Weiterreise hatten wir dann erstmals seit vielen Jahren wieder die Gelegenheit das Stahlwerk von Benxi zu besichtigen. Wir waren die zweite Gruppe, die den Dampfbetrieb dort erleben durfte. Es war eine Zeitreise und manch ein Teilnehmer glaubte sich zu träumen. So etwas hatte man noch nicht erlebt: feurig glühendes Roheisen, heiße Schlackewagen und einen Dampfbetrieb wie auf einer Modellbahn. Mindestens 10 Dampfloks konnten wir im ständigen Betrieb erleben. Es war ein Highlight der Tour.
Dann ging es in den kalten Nordosten Chinas – fast bis an die Russische Grenze. Ji’Xi heißt das Zauberwort, das bei jedem Dampflokfreund die Ohren spitzen lässt. Die Kohlebahnen machen noch kräftig Dampf. 15 Loks der Reihe SY schaffen schwer beladene Züge zu den Kohlwäschereien oder zu den Abraumhalden und Lagerhalden. Oftmals mühen sich zwei Loks vor einem Zug ab, um ihn über die Steigungen zu seinem Bestimmungsplatz zu bringen. Dampfbetrieb soweit das Auge reicht. Wie lange noch? Zumindest noch bis in diesen Sommer. Dann soll ein Teil der Anlagen elektrifiziert werden. Das hörten wir aber auch schon vor 3 Jahren. Aber man weiß nie!
Das letzte Ziel unserer Reise war die Schmalspurbahn von Huanan. Dort wurden wir allerdings „Opfer“ des strengen Wintereinbruchs mit meterhohen Schneeverwehungen. Die drei betriebsfähigen Schmalspurloks warteten in ihrem Depot auf bessere Zeiten, während sich das Personal auf der Strecke mit Schaufeln bewaffnet, bemühte, den Schneemassen Herr zu wären. Schweres Räumgerät gibt es nicht. Schneepflug oder Schneefräse – was ist das?
Auf alle Fälle existiert aber die Bahn immer noch und nach unserer Rückkunft waren die drei Loks wieder im Einsatz mit ihren Kohlezügen. Das soll auch noch so bleiben, so lange es in den einsamen Wäldern noch Kohle gibt.
Als Kontrast zu unserem Dampfprogramm ging es dann mit einem der neuen Hochgeschwindigkeitszüge einmal quer durch Nordostchina von Changchun nach Peking.
1003km Strecke in 6 Stunden 20 Minuten Fahrzeit lässt sich schon sehen, zumal 50% der Strecke noch nicht ausgebaut sind. Die neue Strecke von Shenyang nach Harbin ist aber schon in Bau und soll noch dieses Jahr in Betrieb gehen. Dann geht’s noch mal 1,5 Stunden schneller!
Eine herrliche Reise ging verdammt schnell zu Ende. Voll mit Eindrücken und unzähligen Bildern auf den Speicherkarten. Es gab noch viel mehr Dampf als vermutet. Dazu komfortable Hotelunterkünfte und vieles, abwechslungsreiches Essen und beeindruckende Bilder von einem Land in Bewegung mit freundlichen Menschen und manchen Kuriositäten. China eben.
Auf Grund des weiterhin bestehenden Dampfbetriebes haben wir kurzfristig über Ostern 2010 eine zusätzliche Reise zu den in diesem Bericht beschriebenen Kohlebahnen aufgelegt ( siehe Link). Die Reise geht vom 29. März bis zum 9. April 2010 und kostet inklusiv Flug, allen Bahn- und Busfahrten in China sowie Unterbringung in guten Hotels sowie Vollverpflegung nur € 1898,--. Buchungen sind ab sofort möglich.
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme.
Armin und Meilan Götz
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